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Chorweiler feiert den Weltkindertag

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WEISSER RING

Die Organisation WEISSER RING e.V. hilft Menschen, die Opfer von Kriminalität und Gewalt geworden sind. Auch ihre Angehörige werden betreut. Sie ist ein gemeinnütziger und einziger bundesweit tätiger Opfer­hilfe­verein mit rund 2.900...

Beide Türen der Laube von Herrn Bitz wurden aufgebrochen. Es ist keine leichte Aufgabe für den Senior, der sich nur mithilfe zweier Gehstöcke fortbewegen kann, sie wieder in Stand zu setzen.
Beide Türen der Laube von Herrn Bitz wurden aufgebrochen. Es ist keine leichte Aufgabe für den Senior, der sich nur mithilfe zweier Gehstöcke fortbewegen kann, sie wieder in Stand zu setzen.
Unter den Pächtern des Kleingartenvereins Unnauer Weg e.V. in Lindweiler breitet sich die Verzweiflung aus, denn noch nie wurden so viele Lauben aufgebrochen wie in diesem Jahr. Wurden letztes Jahr nur 6 Fälle gemeldet, registrierte die Polizei 2016 bereits 140 Einbrüche. Die Ordnungshüter scheinen machtlos zu sein. Einige Pächter haben bereits ihre Verträge gekündigt.

Der 1. Vorsitzender des Vereins, Hans Breuer, drückt seinen Unmut in drastischen Worten aus: „Die Lage ist katastrophal! Wenn früher bei uns 5-6 mal im Jahr eingebrochen wurde, so haben sich 2016 die Einbrüche um ein Vielfaches gesteigert! Und schon längst melden nicht alle einen neuen Einbruch.“ Den negativen Rekord hält der Pächter David. J. mit sechs Einbrüchen zwischen April und Dezember dieses Jahres. Selbst Dünger haben bei ihm die Diebe mitgenommen. 

Alarmanlagen helfen wenig, weil die meisten Einbrüche nachts verübt werden
Alarmanlagen helfen wenig, weil die meisten Einbrüche nachts verübt werden
Der Kleingartenverein ist eine Miniaturabbildung des Bezirks Chorweiler – mehrere Nationalitäten aus verschiedenen Stadtteilen pflegen hier friedlich die deutsche Schrebergartenkultur. Nachbarschaftliche Unterstützung, Gemeinschaftsarbeiten und ausgiebige Feiern im Partyraum am Eingang in die Anlage gehören dazu. Kinderreiche Familien verbringen hier die Wochenenden und Ferien neben Seniorenpaaren.

Maria und Peter Göde, beide 84 Jahre alt, wohnen in Auweiler. Seit acht Jahren besitzen sie ihre „Datscha“, wie viele russischsprachige Pächter ihre Parzellen nennen, im Kleingartenverein Unnauer Weg e.V. „Einbrüche gab es schon immer,“ – erzählt Maria,-„sie waren aber meistens harmlos. Die Jugendlichen wussten wohl nicht, wohin mit der ganzen Energie und übten ab und zu Vandalismus in der  Anlage aus – zerschlugen Fensterscheiben, wühlten im Beet, kippten die Schaukel um“. Dieses Jahr sei es anders, es würde alles geklaut, was irgendeinen Wert hat. Matratzen, Stuhlauflagen, Gasherde, Geschirr, Lebensmittel, Werkzeug, Schirme, Schubkarren, Gewächshäuser. Selbst vor Rollator oder behindertengerechtem Bett wird kein Halt gemacht. Im Laufe der Zeit ist fast keine der rund 60 Lauben des Vereins verschont geblieben.

Latten auf die Tür: Viktors Maz improvisierte Sicherheitsmaßnahme.
Latten auf die Tür: Viktors Maz improvisierte Sicherheitsmaßnahme.
Gab es früher die Einbrüche nur als Einzelfälle, wurden in diesem Jahr ganze Lauben-Reihen aufgebrochen. Viktor Maz ist seit ca. 20 Jahren Besitzer der Parzelle. Nach der ersten Einbruchserie hat er eine Alarmanlage installiert. Geholfen hat das wenig, die Einbrecher haben die laut heulende Sirene einfach kaputt gehauen, um in Ruhe das Türschloss aufbrechen zu können. Bis der Ersatzschloss kommt, hat Viktor kurzerhand die Tür mit Latten „gesichert“.

Das Prozedere nach jedem Einbruch ist für viele Routine geworden. Man meldet den Fall der Polizei oder wird von den Polizisten angerufen, weil sie gerade in der Nachbarslaube Spuren sichern und feststellen, dass in mehreren Häuschen eingebrochen wurde. Man ist zwar durch den Verein versichert, erstattet wird aber bei weiten nicht jeder Schaden. Und die Verzweiflung nach dem sechsten Einbruch kann sowieso keiner lindern. Langsam wächst auch der Unmut gegenüber der Polizei.

Für die Familie Baylan mit ihren drei Kindern ist seit vier Jahren ihr Garten ein vertrauter Rückzugsort. Nun fühlen sie sich auch den Einbrechern und Vandalen schutzlos ausgeliefert.
Für die Familie Baylan mit ihren drei Kindern ist seit vier Jahren ihr Garten ein vertrauter Rückzugsort. Nun fühlen sie sich auch den Einbrechern und Vandalen schutzlos ausgeliefert.
Viel zu lange nach Ansicht mancher Pächter, habe sie nichts unternommen. Hinter der vorgehaltenen Hand haben wohl manche Polizisten gesagt, dass man mit viel schwierigeren Problemen zu kämpfen habe. Es sollte sogar als Ratschlag geäußert worden sein: „Halten Sie doch Ihre Tür offen.“ Das dürfte wohl nur scherzhaft gemeint sein. Denn in diesem Fall entfällt zumindest der Versicherungsschutz und die Geschädigten bleiben auf ihren Kosten sitzen. Und in dem offiziellen Handzettel der Polizei (hier klicken) steht auch unmissverständlich: „Schließen Sie alle Fenster und die Eingangstür auch bei kurzfristigem Verlassen der Laube regelmäßig ab.“

Die Türe müssen aufwändig repariert werden
Die Türe müssen aufwändig repariert werden
Mehrfach haben die Pächter die Polizisten auf ein wildes Lager hinter der Anlage  aufmerksam gemacht. Ob man bitte nicht überprüfen möge, wer sich dort alles aufhält? Denn die Kleingärtner haben die Einbrüche aus dieser Ecke kommend vermutet. Man hat versucht sich abzusprechen und dort einen Besuch abzustatten. Irgendwann hatte jemand einen Polizei-Helikopter über den Lauben gesehen haben wollen. Polizei- und Zivilstreifen inspizierten ab und zu die Anlage. Und dann gab es ein Gerücht, dass die Polizei zwei verdächtige Personen festgenommen habe. Offiziell heißt es aber, man habe noch keine Tatverdächtigen gefasst.

Ein Gesprächsangebot für die Pächter kam vom Landtagsabgeordneten aus dem Kölner Norden Andreas Kossiski (SPD). Als selbst ehemaliger Polizist und Stellvertretender Vorsitzender des Innenausschuss im Landtag ist er bereit, sich Anfang des nächsten Jahres den Fragen der Betroffenen zu stellen.  Nach dem Kontakt unserer Redaktion zu der Pressestelle der Kölner Polizei wurde ein Gespräch der Beamten mit den Pächtern, zum Beispiel bei der Jahresversammlung, angeregt.

30.12.2016, Alexander Litzenberger

 

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