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Bundestagswahl 2017

b_450_254_0_00_images_Artikel_Chorweiler_2017_08_IMG_9948_web.jpgHeinrich Zertik (60) weiß, wie man mit seinen Landsleuten spricht. Gerne redet er im Stehen („So hat man mehr Kraft!“), erinnert sich an sein Leben in Kasachstan, an die ersten Schritte in Deutschland, wohin er mit seiner Familie 1989 ausgesiedelt war, an seine langjährige Mitgliedschaft in der CDU. Verweist auf die multikulturellen Erfahrungen der Russlanddeutschen. Da ein Späßchen, dort ein Augenzwinkern. Und es kommt bei seinen russlanddeutschen Zuhörern gut an.

Der erste (und der einzige) russlanddeutsche CDU-Bundestagsabgeordnete tourt in diesen Tagen durch ganz Deutschland und hilft seinen Parteikollegen im Wahlkampf die Zielgruppe Spätaussiedler anzusprechen. Am 29. August, unterstützte er im Taborsaal in Köln-Heimersdorf die Kampagne von Gisela Manderla (CDU, Köln III). Im Publikum saßen überwiegend ältere Russlanddeutsche und einige lokale Politiker, darunter die Kölner Ratsherren der CDU Thomas Welter und Martin Erkelenz, sowie der junge CDU-Politiker in der Bezirksvertretung Rodenkirchen Vasilis Pavegos.

b_450_252_0_00_images_Artikel_Chorweiler_2017_08_IMG_9945_web.jpgIn ihrer Rede suchte Gisela Manderla Gemeinsamkeiten mit den Spätaussiedlern aus der ehemaligen UdSSR. Durch ihre Tätigkeit im eigenen Ingenieurbüro Manderla, habe sie mehrere Jahre gute Kontakte auch zu den russischen Unternehmen gepflegt. Leider gäbe es mit der Zeit zunehmend Spannungen und Misstrauen seitens der russischen Partner, so, dass keine Zusammenarbeit mehr möglich war. Sie sprach auch das Thema Flüchtlinge an und erinnerte daran, dass weltweit über 65 Millionen Menschen auf der Flucht sind und man diese Massen nicht an der Grenze aufhalten könne, sondern versuchen soll, die Migrationsströme zu steuern und, vor allem, die Lebensbedingungen vor Ort zu verbessern.

Der Schwenk zu der Flüchtlingsthematik kam wohl nicht von ungefähr. Seit mehreren Monaten versucht die AfD die ca. 1,5 Millionen wahlberechtigten Russlanddeutschen für sich zu gewinnen. Teilweise mit lokalen Erfolgen: In manchen Wahlbezirken in NRW, wo viele Spätaussiedler leben, wurde sie bei der letzten Landtagswahl teilweise mit zweistelligen Ergebnissen gewählt. Die vor Kurzem gegründete Interessengemeinschaft "Russlanddeutsche in der AfD" betreibt aktive Wahlkampagne, teilweise auf Russisch. Die Partei hat einige russlanddeutsche Mitglieder auf attraktive Positionen in der Kandidatenliste für die Bundestagswahl 2017 gesetzt.

Der Kölner CDU-Kandidat Prof. Dr. Heribert Hirte (l.) traf sich am 24.08.17 mit den Vertretern der Kölner LmDR e.V. Foto: Wahlkreisbüro H. Hirte
Der Kölner CDU-Kandidat Prof. Dr. Heribert Hirte (l.) traf sich am 24.08.17 mit den Vertretern der Kölner LmDR e.V. Foto: Wahlkreisbüro H. Hirte
Auch wenn es keine belastbaren Untersuchengen gibt, die die besondere AfD-Affinität der Russlanddeutschen belegen würden, herrscht in den bundesweiten Medien beinahe die einheitliche Meinung, dass diese Migrantengruppe bei der kommenden Wahl den Populisten einen womöglich entscheidenden Vorteil verschaffen kann. Und eins der Themen, mit denen die AfD bei den Russlanddeutschen punkten will, ist die angeblich verfehlte Flüchtlingspolitik der Regierung Merkel.

Die CDU, die seit Jahrzehnten als politische Heimat der Russlanddeutschen galt, versucht nun das Ruder herumzureißen. Die CDU-Treue der Russlanddeutschen bröckelt seit geraumer Zeit. Jetzt startet die Partei eine Charme-Offensive, bemüht sich wieder für die Russlanddeutschen relevante Themen, wie Rente, Anerkennung von Diplomen, anzusprechen. Auch in Köln, wo ca. 51.000 Spätaussiedler leben (Stand 2014). Am 24. August traf sich der CDU-Direktkandidat im Wahlkreises Köln II, Prof. Dr. Heribert Hirte, mit einigen Kölner Vertretern der Landsmannschaft der Deutschen aus Russland. Nun lud Gisela Manderla die Russlanddeutschen zum Gespräch nach Heimersdorf ein.

Ergebnisse der Bundestagswahl 2013 im Bezirk Chorweiler
Ergebnisse der Bundestagswahl 2013 im Bezirk Chorweiler
Auch da ging es um die drohende massenhafte Armutsrente unter den Russlanddeutschen, Partizipation am politischen Leben in Deutschland. Alle anwesenden Politiker appellierten an die Russlanddeutschen, sich stärker in der deutschen Parteilandschaft zu engagieren. Vorzugsweise in der CDU, versteht sich, die mittlerweile ein Netzwerk Aussiedler gegründet habe, dessen Vorsitzender der Gast der Veranstaltung im Taborsaal, Heinrich Zertik ist. Er war an dem Abend nicht müde: „Engagiert Euch in der Politik!“ in Richtung seiner russlanddeutschen Zuhörer zu rufen.

Auch der kritische Umgang mit der AfD war ein Thema. Aus dem Publikum kam ferner ein Vorschlag, im Bonner Haus der Geschichte eine Abteilung mit der Geschichte der Aussiedler einzurichten. Frau Manderla zeigte Verständnis für diese Idee.

31.08.2017, Alexander Litzenberger

 


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