Sechs Planungsentwürfe zu Kreuzfeld in Chorweiler vorgestellt

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Der Name des künftigen Stadtteils „Kreuzfeld“ ist weit über die Grenzen der Stadt Köln bekannt. Direkt am nördlichen Rand des Stadtteils Blumenberg soll in den kommenden Jahren ein neues Wohnquartier mit ca. 3. Tsd. Wohneinheiten, öffentlichen Gebäuden, Büro- und Arbeitsstätten entstehen. Ein aufwändiges Planungs- und Auswahlverfahren gipfelte am Samstag, dem 21. August, in einer öffentlichen Präsentation von sechs Entwürfen auf dem Liverpooler Platz in Köln-Chorweiler.

Samstags findet in Chorweiler immer der Wochenmarkt statt. Dank der neuen Aufteilung des Platzes im Zuge der Renovierung, war es ohne weiteres möglich, auch die Kreuzfeld-Veranstaltung parallel durchzuführen. Die Planungsteams haben ihre Entwürfe an sechs Ständen vorgestellt. Fragen der Besucher wurden ausführlich beantwortet, Anregungen, Kritik und Wünsche sorgfältig auf farbigen Haftnotizen festgehalten.

Im nächsten Schritt reduziert sich die Zahl der vorgestellten Entwürfe auf drei. Das Begleitgremium aus 16 Vertretern der Politik, der Verwaltung und der Fachexperten entscheiden dann letztendlich über die architektonische Zukunft des neuen Stadtteils. Mit einem Baubeginn ist erst in der zweiten Hälfte der 2020er Jahre zu rechnen.

Vorstellung der Entwürfe auf der Website der Stadt Köln: Bitte hier klicken.

Wir haben einige lokale Politiker bei der Präsentation in Chorweiler nach ihrer Meinung gefragt.
Es ist problematisch, dass die Interessen des Bezirks Chorweiler im Begleitgremium, das die endgültige Entscheidung über die Bebauung von Kreuzfeld treffen soll, nur mit meiner einzigen Stimme vertreten sind.
Reinhard Zöllner
Bezirksbürgermeister, CDU
Ich vermisse ein Hallenbad in Kreuzfeld. Ganze Generationen von Kindern können heute nicht schwimmen. Und diese Fähigkeit ist für die Entwicklung der Kinder sehr wichtig.
Lilo Heinrich
Stellevertertende Bezirksbürgermeisterin, Die Linke
Es wird fast kaum über den Ausbau des Blumenbergsweg gesprochen. Dabei ist die schmale Straße schon heute ein Nadelöhr und sehr gefährlich für die Radfahrenden.
Inan Gökpinar
Stellvertretender Bezirksbürgermeister, SPD
Wir brauchen keine Einfamilienhäuser in Kreuzfeld. Und wir müssen höher bauen.
Klaus Roth
Bezirksvertreter, Die Linke
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Kreuzfeld – die Quadratur des Kreises

Die Stadt Köln treibt seit einigen Jahren das schon fast in Vergessen geratene Wohnbauprojekt Kreuzfeld intensiv voran. Auf ihrer Website schreibt sie „Ziel ist es, mehrfach nutzbare Freiräume, Sozial-, Kultur- und Bildungseinrichtungen zu entwickeln, sowie unterschiedliche Möglichkeiten des Arbeitens. Auch die Infrastruktur und der Klimaschutz sollen dabei berücksichtigt werden.“ 2019 hieß es noch, man wolle 2200 bis 3000 Wohneinheiten errichten, die Platz für rund 9000 Menschen anbieten. Als verfügbare Fläche hatte man ca. 47 Hektar Fläche nördlich von Blumenberg angegeben. Später wurden dazu noch einige Flächen in Blumenberg hinzugerechnet, so, dass die zu bebauende Fläche nun ca. 80 Hektar beträgt. Jetzt ist die Rede von mindestens 3.000 Wohneinheiten, sowie neuen Arbeitsplätzen.

Die Entwürfe tragen betont umweltfreundliche Namen wie „Kreuzfelder StadtNatur” oder „The Woodhood – Kreuzfeld Gartenstadt 2.0”. Der neue Stadtteil soll sich in die bestehende Landschaft einfügen, möglichst klimaneutral sein und schonend mit den vorhandenen Ressourcen umgehen. Um die Vorgabe von mindestens 3000 Wohneinheiten, zuzüglich mehreren öffentlichen Einrichtungen und Gewerbegebäuden einzuhalten, haben die Architekten-Teams alles gegeben. Aber auch selbst der genialste Stadtplaner stößt irgendwann an die Grenzen des Möglichen. So muss in mehreren Entwürfen der Wald an der Blumenberger Grundschule entweder komplett den neuen Gebäuden weichen, oder zumindest massiv an Baumbestand verlieren. Angesichts des proklamierten Ziels Umwelt- und Klimaschonend bauen zu wollen, scheinen solche Pläne zumindest inkonsequent zu sein. Blumenberg soll an Baumbestand verlieren, damit Kreuzfeld grün wird.

In einem Entwurf bleibt der Wald jedoch verschont. Um dennoch Platz für die von der Stadt Köln vorgegebenen 3.000 Wohneinheiten zu schaffen, sollen mehrere Häuser mit 9 Stockwerken gebaut werden. Und das sollen nicht die höchsten Gebäude in Kreuzfeld sein. In einem anderen Entwurf ist sogar der Bau eines Hochhauses mit 13 Stockwerken geplant. Betrachtet man das Dreieck Blumenberg-Weiler-Roggendorf, in das sich Kreuzfeld möglichst harmonisch einfügen soll, kann  von einem gelungenen Ansatz wohl nicht die Rede sein. In den erwähnten Stadtteilen herrscht nämlich Einfamilienhausbebauung. Die wenigen Mehrfamilienhäuser haben maximal fünf Stockwerke. Auch der nördliche Teil von den gerade sich im Bau befindenden Weiler Höfen besteht nur aus Einfamilienhäusern.

Das neue Kreuzfeld würde aus der Entfernung sehr dominant wirken, ähnlich wie Chorweiler oder Meschenich im Kölner Süden.

Und noch ein wichtiger Aspekt – die Nahversorgung.  Ein Supermarkt wird in allen Entwürfen nicht expliziert erwähnt.  Dabei gehört der Netto-Discounter in Blumenberg flächenmäßig zu den kleineren seiner Gattung. Die LIDL-Filiale in Chorweiler-Nord wäre in wenigen Minuten per S-11 oder der Bus-Linie 120 erreichbar, platzt aber jetzt schon aus allen Nähten und die neuen Einwohner aus den Weiler Höfen kommen bald noch dazu. Die ALDI-Filiale in Roggendorf könnte eventuell noch für den Ausgleich der Kundenströme sorgen, um sie mit der Bus-Linie 120, die heute Blumenberg anfährt, zu erreichen, man muss dann aber aktuell 20 Stationen fahren. Mit dem Fahrrad oder Auto ist man übrigens in ca. 10 Minuten da.

Ohne Kreuzfeld ist die Wohnknappheit in Köln kaum zu beseitigen. Die präsentierten Entwürfe bieten viele sehr interessante Konzepte. Dennoch wäre die Reduktion der Forderung von 3.000 Wohneinheiten dringend geboten, um einen Stadtteil zu bauen, der wirklich nachhaltig und umweltschonend gebaut und funktionieren soll.

Alexander Litzenberger

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