Mehr Wohnraum und Nachhaltigkeit: GAG setzt Neubauoffensive im Kölner Norden fort

Die Papageiensiedlung in Köln-Seeberg: Die Wohnanlage aus den 1970er-Jahren steht vor einem umfassenden Wandel. An ihrer Stelle plant die GAG neue, öffentlich geförderte Wohnungen.

Die GAG Immobilien AG treibt ihre Neubaupläne im Kölner Norden weiter voran. In den Stadtteilen Seeberg sowie Roggendorf/Thenhoven sollen in den kommenden Jahren neue, öffentlich geförderte Wohnungen entstehen. Während das Unternehmen damit einen Beitrag zur Entlastung des Wohnungsmarktes und zu mehr Nachhaltigkeit leisten will, gibt es insbesondere in Seeberg auch kritische Stimmen aus der Bewohnerschaft.

An der Karl-Marx-Allee in Seeberg plant Kölns größte Vermieterin den Abriss von 34 Bestandswohnungen aus dem Jahr 1974. Die Gebäude verfügen weder über eine Zentralheizung noch über einen zeitgemäßen baulichen Standard und weisen laut GAG einen hohen Schadensgrad auf. An ihrer Stelle sollen rund 62 öffentlich geförderte Neubauwohnungen mit etwa 4.300 Quadratmetern Wohnfläche entstehen. Vorgesehen sind barrierefreie Ein- bis Fünf-Zimmer-Wohnungen mit modernen Grundrissen, Aufzügen, Photovoltaikanlagen, Dachbegrünung sowie einer klimafreundlichen Wärmeversorgung über Fernwärme oder Luft-Wasser-Wärmepumpen.

WDR-Beitrag vom 27.01.2026 zum Thema: Siedlung in Köln-Chorweiler muss abgerissen werden

Die Ankündigung der Abrisspläne hat bei vielen Bewohnerinnen und Bewohnern der sogenannten „Papageiensiedlung“ große Betroffenheit ausgelöst. In einem Facebook-Post, der vor vier Tagen veröffentlicht wurde und inzwischen knapp 200 Kommentare erhalten hat, schildert eine langjährige Bewohnerin ihre Sorgen. „Wir haben von heute auf morgen die Nachricht bekommen, dass wir alle ausziehen müssen und unsere Siedlung Ende November abgerissen wird“, schreibt die Frau, die nach eigenen Angaben seit 39 Jahren in der sogenannten Papageiensiedlung lebt. Die Nachbarschaft beschreibt sie als eng verbundene Gemeinschaft, als „kleines Dorf“, in dem viele über Jahrzehnte hinweg gelebt hätten. Die angekündigte Auflösung des Quartiers habe sie „fassungslos“ gemacht und in „tiefe Trauer“ gestürzt – insbesondere mit Blick auf ältere Nachbarinnen und Nachbarn, die seit mehr als 40 Jahren dort wohnen.

Die GAG verweist darauf, dass alle betroffenen Mieterinnen und Mieter frühzeitig informiert worden seien und betont zugleich ihr langfristiges Engagement im Stadtbezirk Chorweiler. In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen dort zahlreiche sozial geförderte Wohnungen neu gebaut, unter anderem an der Swinestraße, der Moldaustraße sowie im Quartier Weiler Höfe. Zudem hat die GAG rund 1.200 Wohnungen in zuvor maroden Hochhäusern an der Osloer Straße in Chorweiler erworben und umfassend modernisiert, um die Wohnqualität und die soziale Stabilität im Viertel nachhaltig zu verbessern.

Nach Angaben des Unternehmens werde auch bei den aktuellen Projekten sichergestellt, dass alle Haushalte Ersatzwohnungen erhalten. In den kommenden Wochen sollen individuelle Gespräche geführt werden, um persönliche Bedürfnisse zu klären und passgenaue Lösungen zu finden. Erst nach dem Umzug der Bewohnerinnen und Bewohner sollen die Abrissarbeiten beginnen. Die Bauzeit für das Projekt in Seeberg ist mit rund zwei bis zweieinhalb Jahren angesetzt.

Ein weiteres Neubauvorhaben ist für die Further Straße in Roggendorf/Thenhoven geplant. Dort sollen 40 Bestandswohnungen aus dem Jahr 1972 durch etwa 54 neue, ebenfalls öffentlich geförderte Wohnungen mit rund 3.700 Quadratmetern Wohnfläche ersetzt werden. Auch hier setzt die GAG auf barrierefreie Grundrisse, hohe energetische Standards, Aufzüge, Photovoltaikanlagen und eine Wärmeversorgung über Luft-Wasser-Wärmepumpen.

„Wir arbeiten weiterhin konsequent daran, neuen Wohnraum für die Metropole Köln zu schaffen. Und auch qualitativ zeigen diese beiden Projekte im Kölner Norden, dass wir das Thema Nachhaltigkeit bei unseren Bauvorhaben fest im Blick haben“, sagt GAG-Vorständin Anett Bartsch.

Wie die Sorgen der betroffenen Anwohnerinnen und Anwohner – insbesondere mit Blick auf soziale Bindungen und mögliche finanzielle Mehrbelastungen – in den weiteren Prozess einfließen, dürfte die Diskussion in den kommenden Wochen weiter prägen.

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