Anschlag auf die Chorweiler-Moschee in Feldkassel

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In der Nacht zum Samstag, dem 9. Mai, wurde auf die DITIB Moschee in Chorweiler-Feldkassel ein Anschlag verübt. Wie die Aufnahmen der Videokamera der Moschee zeigen, haben zwei Unbekannte gegen 01:25 Uhr den Eingangsbereich mit Steinen beworfen, einer der Angreifer hat die Tat offensichtlich mit dem Smartphone gefilmt. Zur Tatzeit hielten sich in der Moschee insgesamt sieben Personen auf, darunter die Familie des Imams. Nachdem die Polizei benachrichtigt wurde, erschien sie nach knapp 8 Minuten mit drei Streifenwagen am Tatort. Kurz darauf konnten die Polizisten unweit des Gebäudes zwei Verdächtige festnehmen. Nach Angaben des Öffentlichkeitsbeauftragten der Gemeinde, Sedat Padar, teilte die Polizei mit, dass die Personen verhört und anschließend, mangels ausreichender Verdachtsgründe, wieder auf freien Fuß gesetzt wurden.

An der Glasfassade der Moschee ist ein Sachschaden entstanden, der noch einzuschätzen ist. Viel größer ist allerdings der seelische Schaden, den die feige Tat bei den Gemeindemitgliedern hervorgerufen hat. Die Moschee in Feldkassel wurde 2008 eröffnet. Zu ihr gehören knapp 450 Familien. Die Moschee ist sehr gut im Kölner Norden vernetzt, – sie ist zum Beispiel Mitglied im “Chorweiler Abendfrieden” und der Bürgerplattform “Stark!”. Die Gemeindemitglieder fühlen sich zunehmend verunsichert. Mitte 2019 wurde in die Moschee eingebrochen, die Täter sind bis heute unbekannt. Der heutige Anschlag war vermutlich kein Zufall, denn nach fast zwei Monaten Corona-Verbot fand am Morgen das erste gemeinsame Gebet statt. Mit der abscheulichen Tat wollten die Angreifer offenbar ein Zeichen der Intoleranz gegen Moslems setzen. Die Moscheen in Deutschland beklagen schon lange die zunehmende Aggression gegen Moslems. Nach eigenen Angaben werden Moscheen in Deutschland jährlich knapp 100 Mal zum Opfer von Anschlägen. Nicht zuletzt, wie von den Gläubigen empfunden wird, auf Grund der überhitzten Debatte um die Verbindung von DITIB zur Türkei, die in solchen Exzessen mündet. Die Gemeindemitglieder der Chorweiler-Moschee halten nun sogar den Wechsel des Standortes für möglich, um durch ein größeres Grundstück ihre Religionsstätte besser schützen zu können.

Direkt am Morgen kam der türkische Generalkonsul Barış Ceyhun Erciyes in Begleitung eines türkischen Fernsehteams nach Feldkassel, um seine Solidarität und Anteilnahme zu bekunden.

Mögliche Zeugen werden gebeten Hinweise an die Polizei zu geben.

Alexander Litzenberger

Reaktionen auf den Angriff

Henriette Reker, parteilos

“Die Oberbürgermeisterin lehnt jegliche Form von Gewalt gegen religiöse Einrichtungen ab, wie sie auch insgesamt Gewalt ablehnt, und verurteilt daher diese Tat auf das Schärfste. Sie hofft, dass die Polizei diese Tat zügig und vollständig wird aufklären können.” Alexander Vogel, Sprecher der Oberbürgermeisterin. Im Auftrag der Oberbürgermeisterin der Stadt Köln Henriette Reker (Parteilos).

Gewinner der Landtagswahl Andreas Kossiski (SPD)

“Am Wochenende wurde die DITIB-Moschee in Chorweiler durch Steinwürfe attackiert. Gestern konnte ich mit dem Imam Mehmet Korkut persönlich über den Vorfall sprechen und ihm meine Unterstützung zusichern. Diesen feigen Angriff verurteile ich aufs Schärfste und sage klar: Wenn Muslim*innen in unserer Stadt angegriffen werden, dann sind wir da und stehen zusammen.” Andreas Kossiski (SPD), Landtagsabgeordneter und OB-Kandidat

“Wie in der Vergangenheit werden wir auch in der Zukunft uns immer gegen Ungerechtigkeit erheben. Ihr seid nicht alleine”. Taner Erdener, Sozialarbeiter, Mitglied der CDU.

“Gerade in Krisenzeiten sind Zusammenhalt und Solidarität gefragt. Der Angriff auf die Moschee in Chorweiler ist ein Angriff auf die Vielfalt in unserem Land. Wir müssen als Gesellschaft dagegenhalten und uns mit jeder Vehemenz gegen Fremdenhass und Ausgrenzung stellen. Wir haben keinen Platz für Rassismus!”. Mattis Dieterich, Vorsitzender der SPD im Bezirk Chorweiler.

Roman Friedrich

“Die Angriffe auf Moscheen und Synagogen ist nichts anderes als ein Zeichen des Fremdenhasses, was auch ein Teil der Nationalsozialistischen Ideologie ist. Umso trauriger ist es heute, am 75. Jahrestag der Kriegsende immer noch erleben zu müssen. Wir, Akteure aus Chorweiler, sollten ganz klare Haltung zeigen, dass wir es nicht tolerieren.”. Roman Friedrich, Landesvorsitzender der Jugendorganisation LmDR NRW, Mitglied der CDU.

SPD-Fraktionsvorsitzender in der BV6 Inan Gökpinar

“Zusammen leben, zusammen wachsen“. Wo wir in Chorweiler mit vielen unterschiedlichen ehrenamtlichen Engagement friedliches Zusammenleben von Menschen verschiedener Kulturen, Religionen und Nationalitäten gestalten, vorleben und fördern. Deswegen müssen wir uneingeschränkt “Null Toleranz” gegen jegliche Form von Gewalt und Sachbeschädigung zusammenhalten!” Inan Gökpinar, Vorsitzender der SPD-Fraktion in der Bezirksvertretung Chorweiler. Via Facebook.

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Comments (2)

Nach den Erfahrungen mit den Anschlägen in Waldkraiburg sollte man mit voreiligen Urteilen vorsichtig sein. Es ist noch völlig unklar, ob aus fremdenfeindlichen Motiven gehandelt worden ist.

Sehr starker und ausführlicher Artikel.👍🏽

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