Integrierte Planung zum neuen Stadtteil Kreuzfeld vorgestellt

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Am 11. März 2023 haben die Stadt Köln und das interdisziplinäre Team des Planungsbüros „ADEPT ApS + Karres en Brands“ im Rahmen einer Integrierten Planung den weiterentwickelten Siegerentwurf “The Woodhood – Kreuzfeld Gartenstadt 2.0” im Bürgerzentrum Chorweiler präsentiert. Anwesend waren Oberbürgermeisterin Henriette Reker, Chorweilers Bezirksbürgermeister Reinhard Zöllner, Fachpublikum, lokale Politikerinnen und Politiker, interessierte Bürger. Nach der Vorstellung des Projektes hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Gelegenheit ihre Kritik und Ideen an Ständen „Städtebau“, „Umwelt, Grün und Freiraum“, „Mobilität und Verkehr“, „Bildung, Soziales, Sport, Kultur und Gesundheit“ zu äußern. Der Bau von Kreuzfeld soll nach heutigem Planungsstand ab 2025 beginnen.
Weitere Infos und Online-Dialog (Achtung, die Teilnahme am Online-Dialog ist nur bis zum 23. März 2023 möglich): meinungfuer.koeln/kreuzfeld

 

Unser Kommentar

Kreuzfeld: Vorsichtiger Optimismus

Menschen im Bezirk Chorweiler kennen sich mit den auf dem Reißbrett entwickelten Stadtteilen sehr gut aus, schließlich wurden solche Veedel wie Seeberg-Nord, Chorweiler, Chorweiler-Nord und Blumenberg in den 70-ger Jahren als Neue Stadt aus dem Boden gestampft. Wie es Wikipedia beschreibt: „Auf engem Raum sollte eine eigene kleine Stadt für 100.000 Menschen entstehen, die Wohnen, Arbeiten, Handel, Freizeit und soziale Einrichtungen auf kurzen Wegen verbinden würde. Dazu gehörte in den ursprünglichen Planungen östlich von Chorweiler zunächst ein etwa 2–3 km breiter Grünstreifen für Freizeit, Erholung und Immissionsschutz und östlich von diesem entlang des Rheins eine Industrieschiene von Merkenich bis Worringen.“

Impressionen der Veranstaltung am 11. März 2023 in Chorweiler

Das damals gefeierte moderne Konzept der Neuen Stadt hat sich als Flop erwiesen und bedarf der Gründung eines Sozialraumes, der genau diese Stadtteile erfasst, um die soziale Schieflage in der Neuen Stadt abzufedern. Marode Hochhäuser haben mehere Jahrzente das negative Image von Chorweiler geprägt.

Entsprechend sind viele Bürger im Kölner Norden etwas zurückhaltend, wenn es um den Bau von weiteren Stadtteilen geht. Zu groß ist der Frust über die schlechte Facharztversorgung, zu wenig Schulen, rare Einkaufsmöglichkeiten jenseits von Chorweiler-Mitte, marode Radwege, viele Probleme mit dem ÖPNV, zu wenige Kitaplätze.

Vor diesem Hintergrund liest sich der Umfang des geplanten Stadtteils Kreuzfeld, das Heimat für ca. 8.000 Bewohnerinnen und Bewohner werden sollte, wie eine Liste der Sonderausstattung einer teuren Limousine: 9 Kitas, 3 Grundschulen, 2 weiterführende Schulen und eine Förderschule. Dazu kommen ein Bürgerhaus mit Quartiersbibliothek, Bildungs- und Kulturzentrum, ein Jugendzentrum. Mehrere Spiel- und Sportfelder und 8,4 Hektar öffentliche Grünflächen. Einzelhandel und Einkaufsmöglichkeiten, Gewerbeflächen. Ein Ärztehaus ist vorgesehen, sowie eine eigene Feuerwache.

Kreuzfeld wird per S-Bahn, Bus, Radwegen und Auto an die angrenzenden Stadtteile und die Innenstadt angebunden.

Alles soll modern und umweltschonend gebaut und betrieben werden: Mit Dachbegrünung, Solarenergie, kalter Nahwärme und möglichst autofrei und radfreundlich sein. Man wünscht sich möglichst wenig Autos in den Hoods (Nachbarschaften), dennoch ganz auf das Auto muss man in Kreuzfeld nicht verzichten, es sind Parkmöglichkeiten in Proportion 0,3 Quadratmeter Parkfläche pro Einwohner vorgesehen. Im Stadtteil selbst darf man höchstens 30 Km/h schnell fahren. Neben Mehrfamilienhäusern, die mit 30-Prozent-Quote für den sozialen Wohnungsbau errichtet werden sollen, soll es auch Einfamilienhäuser geben.

Copyright: ADEPT ApS + Karres en Brands
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Selbst die langjährige Forderung nach dem Ausbau des Blumenbergweges und der Anschluss an die A57 könnte im Zuge der Entwicklung des neuen Stadtteils Realität werden. Die Stadt strahlt Optimismus aus. Oberbürgermeisterin Henriette Reker sagt, dass Kreuzfeld ein “Vorzeigestadtteil” werden soll.

Visualisierung Kreuzfeld. Copyright: ADEPT ApS + Karres en Brands

Der Anspruch an den neuen Stadtteil ist hochgesetzt. Von der Infrastruktur von Kreuzfeld könnten anliegende Stadtteile profitieren. So ein Leuchtturmprojekt ist für das etwas angeschlagene Image vom Kölner Norden bitter nötig.

Dafür, dass es tatsächlich gelingen kann, spricht einiges. In den letzten Jahren hat der Kölner Norden viel Aufmerksamkeit der Stadt erfahren: Das größte Wohnungsunternehmen im Raum Köln, die GAG AG, hat mehrere marode Hochhäuser übernommen und saniert sie sozialverträglich, das Zentrum von Chorweiler wurde aufwändig neugestaltet. Die Oberbürgermeisterin Frau Reker hat die Entwicklung von Kreuzfeld offenbar zur Chefsache erklärt und begleitet das Projekt sehr intensiv. Die Entwicklung des neuen Stadtteils erfolgt nach aller Kunst des heutigen Städtebaus, es wird viel Expertise eingeholt. Die Stadt wird nicht müde immer wieder die Bevölkerung über den Stand der Planungen zu informieren und ist bemüht die Rückmeldung der Bürger und der lokalen Politik einzuholen.

Kreuzfeld soll ab 2025 Gestalt annehmen. Der aktuelle Entwurf hat ein großes Potential Menschen zu begeistern. Hoffentlich wird vieles davon tatsächlich realisiert. Das Konzept von Kreuzfeld liefert jedenfalls jeden Grund um vorsichtig optimistisch zu sein.

Alexander Litzenberger

Projekt Kreuzfeld auf einen Blick
  • ca. 3.500 Wohneinheiten
  • ca. 8.000 BewohnerInnen
  • ca. 88 Hektar Planungsgebiet
  • 20. Minuten bis zum Hauptbahnhof (S-Bahn)
  • S-Bahn, Bus, Radwege
  • 15 Minuten-Stadt
  • ca. 22.5 Hektar Grün- und Freiraum
  • ca. 8,4 Hektar Öffentliche Grünflächen
  • ca. 8 Quadratmeter Grünfläche pro BewohnerIn
  • 9 Kitas, 3 Grundschulen, 2 weiterführende Schulen
  • Bürgerhaus mit Bibliothek, Bildungs – und Kulturzentrum
  • Einzelhandel und Einkaufsmöglichkeiten
  • Gewerbefläche
Ursprünglicher Plan von Kreuzfeld als Spiegelbild von Blumenberg. Skizze: Stadt Köln
Stimmen aus der lokalen Politik
Klaus Roth, Fraktionsvorsitzender Die Linke in der BV6. Archivfoto

Mein Eindruck von der Veranstaltung am 11. März ist, dass die Planung nicht recht vorankommt. Es wurde geäußert, dass die S-Bahn-Station das verbindende Element zwischen Blumenberg und Kreuzfeld sei. Wer diese Station kennt muss das für einen schlechten Witz halten. Ich habe mit einer der Planerinnen darüber gesprochen, dass hier der Schlüssel dafür liegt, dass das Projekt Kreuzfeld gelingen kann. Sie beklagte die mangelnde Bereitschaft der DB, an einer Lösung mitzuwirken. Um die S-Bahn-Station herum muss ein Zentrum für Blumenberg/Kreuzfeld entstehen um für die heutigen und die kommenden Bewohner*innen einen attraktiven Stadtteil zu schaffen.

Mir scheint auch ein wenige Realismus in der Planung zu fehlen. Wenn es in Blumenberg mit 5.500 Einwohnern eine Grundschule gibt, in die auch noch Kinder aus anderen Stadtteilen gehen, wieso werden dann für 8.000 Bewohner in Kreuzfeld 4 Grundschulen geplant? Und nur wenn es gelingt, aus alt und neu einen Stadtteil zu machen, können wir auch darauf hoffen, dass Handel, Gastronomie und Kultur den Weg dorthin finden. Die müssen schließlich auch Geld verdienen.

Mattis Dieterich, Vorsitzender der SPD im Kölner Norden

Für uns als SPD stehen bei der Entwicklung von Kreuzfeld drei Ziele im Vordergrund: Kreuzfeld muss die Schlafstadt Blumenberg vollenden, einen Mehrwert für den Kölner Norden haben und dringend benötigten bezahlbaren Wohnraum schaffen. Wir sehen viele positive Aspekte in dem aktuellen Entwurf aus der Integrierten Planung. Kreuzfeld wird über eine tolle Infrastruktur mit u.a. 7 Schulen, 9 Kitas, einem Gesundheitszentrum, einem Bürgerhaus, einer Bibliothek, einem Schwimmbad und großen Sportanlagen verfügen. Davon werden auch die umliegenden Veedel profitieren.

Uns fehlt allerdings der Blick über die Planungsgrenze hinaus. Die Anbindung an Blumenberg ist mangelhaft und viele insbesondere verkehrliche Fragen, wie der Blumenbergsweg oder die S-Bahn sind bisher nicht gelöst. Da erwarten wir einen deutlichen Fortschritt bis zum Herbst und werden uns auch mit eigenen Vorschlägen einbringen.

Wir begrüßen die vielen öffentlichen Veranstaltungen der Stadt im Entwicklungsprozess, aber vermissen eine klare Linie in der Informationspolitik bei den Themen, die den Kölner Norden betreffen. Das hat unsere Fraktion in der Bezirksvertretung am Donnerstag in der BV-Sitzung auch deutlich gemacht.

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