Zukunftsperspektiven und Herausforderungen: Der Bürgerverein Köln-Volkhoven-Weiler e.V. im Gespräch

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Viele Bürgervereine beklagen schon seit langem den Mitgliederschwund und haben Nachwuchsprobleme. Auch der Bürgerverein Köln-Volkhoven-Weiler e.V. hat mit solchen Problemen zu kämpfen. Im letzten Jahr hat der Vorstand seine Aktivitäten zunehmend reduziert. Im September 2023 kam der Verein sogar in die Schlagzeilen der Kölner Presse, weil der Verein die im Generationenpark in Weiler nach der ersten Vorführung des Films „Liebe, D-Mark und Tod“ die weiteren Termine kurzfristig platzen ließ. Die Landtagsabgeordnete Lena Tteschlade veröffentlichte am 18. Oktober 2023 eine „Resolution bezüglich der Nutzung des Geländes im Generationenpark Volkhoven/Weiler“, in der die Entscheidung des Bürgervereins stark kritisiert wurde. Das Schreiben wurde von mehreren Politikerinnen und Politikern der SPD sowie von mehreren gesellschaftlichen Akteuren aus Köln unterschrieben.

Seit Anfang des Jahres postete der Verein auf seiner Facebook-Seite dramatische Appelle, um eine mögliche Auflösung des Vereins, der seit 1955 existiert, doch zu verhindern. Am 26. April dieses Jahres fand dann die Mitgliederversammlung statt, die den Neuanfang des Vereins versucht. Drei Frauen wurden in den Vorstand gewählt, die neues Leben in den Verein einbringen sollen – Marika Behncke, Claudia Mantik-Tampier und Regina Schlimkowski. Wir haben mit Frau Schlimkowski gesprochen, die als ehemaliges Mitglied des alten Vorstandes Kontinuität und Erfahrung in das neue Team mitbringt.

Chorweiler-Panorama: Üblicherweise ist die Mitgliederversammlung eine Routineveranstaltung. War es das auch am 27. April gewesen?

Regina Schlimkowski: Es war jetzt eine außerordentliche Mitgliederversammlung, weil alle Vorstandsmitglieder im Laufe des letzten Jahres zurückgetreten sind. Solange keine Versammlung stattfindet, wird man nicht aus dem Vereinsregister ausgetragen.

Aus diesem Grund haben Angelo Casulla und ich diese außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen. Bei dieser außerordentlichen Mitgliederversammlung sind wir dann die üblichen Punkte durchgegangen, die auch sonst immer anstehen, bis dann ganz zum Schluss ein neuer Vorstand gewählt wurde. Es waren 24 Mitglieder anwesend.

Es hat lange gedauert, bis sich dann zwei Damen bereit erklärt haben, mitzumachen. Ich war bereit, wieder zu kandidieren, weil mir einfach der Verein am Herzen liegt. Ich bin Mitglied seit 2004, der Verein existiert seit 1955.

Leider ist es ja nun mal, wie bei vielen Vereinen, das Problem, dass keiner in den Vorstand will und die meisten Mitglieder, die man noch so hat, ein Alter erreicht haben, wo sie eigentlich nicht mehr kandidieren möchten. Ich gehöre ja auch dazu, aber irgendwie hofft man, dass man in den nächsten zwei Jahren junge Leute ins Boot holt und es dann weitergeht.

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Wenn man in den letzten Monaten die Facebook-Seite Ihres Vereins und die Kölner Presse beobachtet hat, bekommt man den Eindruck, dass die Krise im Verein nicht nur dadurch zustande gekommen ist, dass der alte Vorstand wahrscheinlich nicht mehr weiter konnte, sondern auch nicht wollte.

Regina Schlimkowski: Das ist schwierig zu sagen. Wir vier sind ja erst im August 2022 gewählt worden. Das waren: Peter-Maximilian Ungeraten-Bence, der erste Vorsitzende, ich zweite Vorsitzende, Angelo Casula und Konrad Katzy als Schriftführer. Also gehörten vier Personen dem Vorstand an. Am 31. März 2023 bin ich vom Vorstand zurückgetreten, nachdem das geplante Osterfeuer eine Woche zuvor von den anderen Vorstandsmitgliedern abgesagt worden war. Wir hatten alles für das Osterfeuer vorbereitet – alles war geplant, Flyer verteilt und alles war genehmigt.

Was dann passiert ist, dazu kann ich Ihnen leider nicht viel sagen. Interna waren mir nicht bekannt. Was es in der Presse gegeben hat, das war die Absage vom Open-Air-Kino im September. Es war eine Kooperation zwischen dem Bürgerverein und den Veranstaltern. Das waren ja Filmhaus und LATIBUL (Theater- und Zirkuspädagogisches Zentrum Köln, Redaktion). Der Vorstand hat es dann nach der ersten Vorstellung am nächsten Tag abgesagt. In der „Stadtrevue“ ist es ziemlich detailliert beschrieben worden. Der Reporter hat wohl auch mit allen Beteiligten gesprochen. Ich persönlich möchte mich nicht mehr zu der Geschichte äußern. Es war natürlich keine demokratische Entscheidung. Die Leute vom Filmhaus sind ja wie vor den Kopf gestoßen worden, als sie am nächsten Tag im Park erschienen waren. Im Social Media Bereich und wo ich nur konnte, habe ich auf Bitten von Frau Baum…. vom Filmhaus Bescheid gegeben, dass es nicht mehr im Park stattfindet, sondern in der SKM Villa am Volkhovener Weg. Ob das jetzt auch zum aktuellen Stand des Vereins beigetragen hat? Also ich denke schon.

Vielleicht kurz zum Basiswissen über Ihren Verein: Wie viele Mitglieder haben Sie denn aktuell?

Regina Schlimkowski: Vor knapp 15 Jahren hatten wir etwa 300 Mitglieder, mittlerweile sind viele verstorben, sind weggezogen und und und. Also zur Zeit sind es etwas über 100, aber nur die Hälfte sind zahlende Mitglieder.

In der Hinsicht ist die Situation in Weiler nicht viel anders als in anderen Bürgervereinen im ganzen Norden, wahrscheinlich auch in vielen anderen Regionen in Köln und deutschlandweit. Die Stammmitglieder werden älter, scheiden aus bestimmten Gründen aus und es fehlt überall der Nachwuchs. Sie und die Kolleginnen übernehmen den Vorstand. Welche Vorsätze haben jetzt für Ihre Dienstzeit, was ändert sich im Verein beziehungsweise an Ihrer Tätigkeit?

Regina Schlimkowski: Das erste, was wir vorhaben ist, wir wollen versuchen, an jeden Haushalt ein Informationsblatt zu verteilen. Es ist natürlich auch eine Kostenfrage, aber wir wollen das wirklich machen. Wir sind da, wir brauchen neue Mitglieder. Wir wollen natürlich traditionelle Veranstaltungen fortführen – Osterfeuer, Sommerfest und Sankt Martin.

Das Sommerfest haben wir für Ende August angepeilt, direkt nach den Sommerferien. Wir starten schon am 1. Juni mit einem Familienfest zum Internationalen Kindertag.

Der Generationenpark ist 2008 auf Wunsch des Bürgervereins entstanden. Davor war es ein Schuttabladeplatz. Der Bürgerverein hatte das Grundstück gepachtet und natürlich mit Sponsoren und Geldern der Stadt diese Fläche zum Park gemacht, mit Spielplatz und vielem mehr. Lange Zeit wurde die gesamte Parkfläche nur von Mitgliedern des Bürgervereins gepflegt und sauber gehalten. Leider ist die “Alte Truppe”, die das fast jeden Samstag von 10:00 bis 12:00 gemacht hat, in die “Jahre” gekommen. Die meisten sind schon über 70 und auch über 80 Jahre alt. Das führte vor 3 Jahren dazu, den Vertrag mit der Stadt Köln zu ändern. Jetzt gehört dem Bürgerverein nur noch ca.¼ der Fläche.

Weiler-Impressionen (Archivfotos)

 An der kleinen übrig gebliebenen Fläche halten sie noch fest oder gibt es andere Überlegungen?

Regina Schlimkowski: Da uns keine Räume zur Verfügung stehen, können wir Veranstaltungen nur im Park anbieten. Das ist für uns der “Ort der Begegnung”.
Im November 2023 haben wir im Park ein paar Obstbäume und Beerensträucher gepflanzt. Dabei wurden wir finanziell von der Bürgerstiftung unterstützt. Von der GAG haben wir die Sträucher für die Hecke bekommen.
Der alte Baumbestand ist nicht mehr so vorhanden wie er mal war. Viele Bäume wurden gefällt (lt. Grünflächenamt: erkrankt) und einige sind dem Sturm zum Opfer gefallen.

Bürgervereine sind primär dazu da, um das Zusammenleben der Bürger besser zu gestalten, kulturelles Leben zu fördern, aber auch als Schnittstelle zur Politik. Gibt es welche Themen, die sie dann kommunizieren möchten, wo möglicherweise den Einwohnerinnen und Einwohnern von Volkhoven und Weiler der Schuh drückt?

Regina Schlimkowski: Ja, die Themen (Probleme) der Bürgervereine des Kölner Nordens sind in vieler Hinsicht ähnlich.   Wir haben jetzt auch noch die Weiler Höfe dazu bekommen  mit ca. 250 Wohnungen und demnächst noch 125 Einfamilienhäusern. Es sind viele Menschen, die jetzt dazu kommen. Wir nehmen regelmäßig an der Arbeitsgruppe Jugend teil, die von Frau Zuber-Goljuie (Bezirksjugendpflegerin von Chorweiler, Redaktion), geleitet wird.

Wir wollen den Kontakt zu den Schulen und deren Fördervereinen intensivieren um damit die Gemeinsamkeit ein wenig zu fördern

Demnächst wird die Grundschule dreizügig. Das war bis jetzt noch nicht der Fall. Der Bedarf ist höher als das Angebot. Der neue Kindergarten, der für die Einwohner der Weiler Höfe gedacht war, war schon belegt, bevor die meisten in Ihre Wohnungen eingezogen sind.

Ein anderes Problem ist am kleinen Friedhof entstanden, dort wird der Parkplatz zunehmend nicht nur von Friedhof Besuchern genutzt, sondern auch von Anwohnern im Weiler Höfe.

Wie sich das Zusammenleben mit den vielen neuen Bürgern von Volkhoven-Weiler entwickeln wird, darauf sind wir gespannt. Es gibt zu wenig Einkaufsmöglichkeiten und Gastronomie. Man hört immer mehr, dass man bei Aldi und Lidl  zu Abendzeiten gewisse Grundnahrungsmittel nicht mehr bekommt. Die Wege zu den Supermärkten sind für unsere älteren Mitbürger ohne Auto nicht zu bewerkstelligen. Das gleiche gilt für Bankgeschäfte

Es gibt aber auch mal was Positives zu berichten. Das ehemalige Bausch Café  hat den Besitzer gewechselt und öffnet wieder am 09.05.2024.

Wir haben natürlich unseren Generationenpark, der gut besucht wird. Ich habe in den Sommermonaten  150 Personen gezählt. Ich habe gelesen, dass tatsächlich in einem  Park in Köln  mobile Toiletten aufgestellt wurden. Das wäre natürlich eine tolle Sache für den Generationenpark. Ein Wasserspender wäre auch super. Ein Spielplatz im Generationenpark, der uns vor  drei Jahren versprochen wurde. Ein Bewegungsparcours wäre auch toll. Eine Boulebahn ist vorhanden, wurde seit drei Jahren nicht mehr gepflegt.

Frau Schlimkowski, Sie haben jetzt die Möglichkeit, sich an Stadtteil-Einwohnerinnen und Einwohnern zu wenden. Was würden Sie ihnen sagen? Warum sollten Sie dann Ihrem Bürgerverein beitreten? Welche Argumente bringen Sie da in solchen Gesprächen ein?

Regina Schlimkowski: Damit wir gemeinsam Volkhoven-Weiler lebenswerter machen.   Wir brauchen aktive Mitglieder, die helfen bei einer Veranstaltung, die Spaß haben an Gartenarbeit und bei der Parkpflege, auch wenn  mittlerweile viel vom Grünflächenamt erledigt wird. Wir brauchen Menschen, die bei  unseren Veranstaltungen mitmachen.  Und es wäre natürlich wünschenswert, dass es junge Menschen sind. Die Veranstaltungen werden vorwiegend von jungen Familien besucht. Für die älteren Bürger würde ich mir wünschen, dass ein Seniorennetzwerk im Stadtteil entstehen würde. Es gibt ein paar Senioren*innen, die sich regelmäßig beim Bäcker treffen. Früher hatte man sich im Pfarrheim getroffen, aber aus organisatorischen Gründen (Alter) ist das nicht mehr der Fall.  Ein Seniorentreff wäre wünschenswert, aber auch dafür braucht man Menschen, die das übernehmen würden.

Unser Jahresbeitrag beträgt zur Zeit 12€. Als Mitglied muss man sich nicht verpflichten, aktiv mitzumachen, auch stille Mitglieder sind willkommen. Jeder Euro zählt.

Hat Ihr Verein einen Raum, wo Sie sich dann regelmäßig treffen können oder ist es nur der Generationspark?

Regina Schlimkowski: Leider haben wir keinen Raum.  Das ist nur der Generationenpakt. Das ist seit Jahren  immer der Ort gewesen, wo man sich getroffen hat. Leider hat er einiges an Attraktivität verloren. Vor ca. 3 Jahren hatte man festgestellt, dass das Volleyballnetz nicht mehr den jetzigen gültigen Vorschriften entspricht. Aus diesem Grunde wurde es entfernt. Bis zu diesem Zeitpunkt  haben mehrere Gruppen dort gespielt,  Der Spielplatz existiert auch nicht mehr. Letztes Jahr wurde die Rutsche entfernt. Alles aus Sicherheitsmassnahmen. Mit anderen Worten, für Kleinkinder gibt es gar nichts mehr. Wie bereits schon erwähnt, vor drei Jahren wurde ein neuer Spielplatz versprochen, aber trotz mehrfacher Telefongespräche tut sich nichts. Der Park leidet allerdings unter Vandalismus. Seit Jahren werden immer wieder die Parkbänke und Papierkörbe beschädigt.  Seit ca. einem Jahr steht ein Vereins-Caravan im Park, wo wir unsere Garten Gerätschaften unterbringen möchten, aber das ist zu riskant.  Kaum ist der Bauzaun weg, schon versuchte man einzubrechen. Die Tür ist schon beschädigt. Dieser Caravan ist  eigentlich für zukünftige Projekte gedacht z.B. Pflanzaktionen oder Lesungen oder einfach als  Unterkunft bei schlechtem Wetter während der Arbeit im Park. Der Caravan muss aber noch ausgebaut werden, dafür brauchen wir aber noch Geld (Sponsoren) und helfende Hände.

Interview hat geführt: Alexander Litzenberger

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