Das Proekt “Grünes Dorf” in Chorweiler geriet ins Stocken

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Als der Essener Investor FC Real estate sein Hochhaus-Projekt „Grünes Dorf“ in der Bezirksvertretung Chorweiler vorgestellt hat, erntete er viel Zuspruch der lokalen Politiker. Auch außerhalb der Wände des Bezirksrathauses gab es viele positive Rückmeldungen. Ein Jahr später ist das Projekt jedoch kaum vorangekommen. Das rief die Bundestagskandidatin der CDU im Wahlkreis III, Gisela Manderla, auf den Plan. Zusammen mit FC Real estate organisierte sie am 16. September auf dem Pariser Platz eine Pressekonferenz. Das Motto lautete „Blockiert die Stadt eine Entwicklungschance für Chorweiler?“

„Chorweiler hat einen Ruf, den es nicht verdient hat. Dieses Haus, das alle ökologischen Bedingungen erfüllt und zukunftsweisend ist, ist ideal, um den Standort Chorweiler zu verbessern“, betonte Gisela Manderla zu Beginn der Pressekonferenz. „Es kann und darf nicht sein, dass die Stadtverwaltung diese Entwicklungschance verschläft.“

Hochhaus “Grünes Dorf”, Visualisierung: FC Real estate

Der Geschäftsführer von Real estate, Hans Reidick, zeigte sich kompromissbereit. Er sei bereit auf den Wunsch der Stadt einzugehen und ein Bauleitplanverfahren in Form eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanes anzuwenden. Das grundsätzliche Konzept stünde aber nicht zur Diskussion. „Architektur und Bauweise gehören zu den innovativen

Wir müssen jetzt nun in einen Dialog kommen und eine Lösung erarbeiten, damit wir Planungssicherung bekommen. Wir stehen Gewehr bei Fuß und warten auf den StartschussHans Reidick, Investor FC real estate
Kernelementen unseres Projektes“, sagte Reidick. „Gerne prüfen wir das Vorhaben jedoch unter ökologischen und sozialen Aspekten und würden es dem Klimarat der Stadt Köln gerne als Referenzprojekt zur Verfügung stellen“. Der Architekt des Hauses, Bernd Krömmelbein (APG), fügte hinzu: „Wir befinden uns aktuell leider noch auf einer Stufe vor dem Stadtplanungsamt. Das Amt möchte dort gerne weitere Wettbewerbe vorschalten, in die Grundsubstanz reingehen und sagen, das könnte vielleicht alles ganz anders sein. Und das ist genau das Problem. Beim Projekt mit einem Volumen von 50-60 Millionen braucht der Investor ein Stück Sicherheit, wenn wir weiter machen wollen. Die Nebenkosten, die im Vorfeld entstehen, sind großes Geld. Wir möchten z.B. bodengeologische Untersuchungen machen, inwieweit wir die Erdwärme für die Beheizung des Hauses nutzen können“.

Wir können nicht alle Investoren vergraulen. Und das tun wir im Moment mit dem Nichtbauen dieses tollen grünen Hauses. Das ärgert mich politisch besonders.Gisela Manderla, CDU-Bundestagskandidatin
Der Holz-Hybridbau in Modulbauweise wurde von der Kölner Architekten- und Planergemeinschaft APG entworfen. Diese Bauweise wird circa 123 Tonnen CO2 im Vergleich zu einem konventionellen Bauvorhaben einsparen und kann zusätzlich fast 140 Tonnen CO2 im gesamten Lebenszyklus durch die Holzfassade in der Konstruktion speichern. Wissenschaftlich wird das Projekt vom Lehrstuhl für Ressourceneffizientes Bauen der Ruhr-Universität Bochum über ein Forschungsprojekt der Deutschen Gesellschaft für Umwelt (DBU) begleitet. Hans Reidick: „Die Stadt München will für alle künftigen Gebäude das Regenwassermanagement und das Konzept Schwammstadt verpflichtend machen. Wir möchten das bei diesem Haus untersuchen und in einem Qualifizierungswettbewerb umsetzen.“ Das Konzept des Hauses wurde von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt positiv bewertet.

Der Investor sei bereit, ein im Bezirk Chorweiler dringend benötigtes medizinisches Fachzentrum in das Gebäude einzuplanen. Auch die Unterbringung einer Bank wäre möglich. Viele in Chorweiler bedauern den Wegfall der Postfiliale. FC Real steht nach eigenen Angaben im Kontakt mit der Post bzw. der Postbank und ist bereit, eine entsprechende Lösung im neuen Hochhaus zu berücksichtigen.

Ein Streitpunkt ist das Kooperative Baulandmodell, das in Köln beim Wohnungsbau Anwendung findet. Bei größeren Bauprojekten müssen 30 Prozent der Apartments als Sozialwohnungen errichtet werden. Bernd Krömmelbein dazu: „Man versucht mit solchen drastischen Mitteln die Mieten zu reduzieren, was an sich eine gute Angelegenheit ist. Aber diese Forderungen treffen, meines Erachtens, auf das Haus nicht zu.“ Gisela Manderla pflichtet ihm bei: „Wir haben seinerzeit die 30%-Regelung getroffen, weil wir eine soziale Durchmischung der Veedel erreichen wollten. In Chorweiler gibt es sehr viel sozialen Wohnungsbau. Und wenn wir jetzt ein Haus bauen, das kein sozialer Wohnungsbau ist und trotzdem die Mieten erschwinglich sind, dann ist es ein Signal an Investoren: Wir bauen Wohnungen! Und Köln braucht dringend Wohnungen!“. Und weiter: „Wir können nicht alle Investoren vergraulen. Und das tun wir im Moment mit dem Nichtbauen dieses tollen grünen Hauses. Das ärgert mich politisch besonders.“

Hans Reidick fasste die Wünsche und Forderungen des Investors zusammen: „Wir hoffen, dass die Emotionen und die positiven Resonanzen, die wir in der Fachwelt und bei Frau Manderla erfahren haben, sich auf die Stadtverwaltung übertragen. Dass man jetzt das Projekt unterstützt und zu einem Konsens kommt. Wir sind sehr flexibel und machen Großprojekte schon seit langer Zeit. Wir müssen jetzt nun in einen Dialog kommen und eine Lösung erarbeiten, damit wir Planungssicherung bekommen. Wir stehen Gewehr bei Fuß und warten auf den Startschuss.“ Die reine Bauzeit des Hauses schätzt der Investor auf 15-16  Monate. Dazu kämen allerdings 75% der Planungs- und Diskussionszeit, fügt  Hans Reidick  hinzu.

Alexander Litzenberger

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