Problemhaus in Chorweiler: Wie ein Relikt aus den alten Zeiten

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Während die umliegenden Hochhäuser der GAG in Chorweiler seit einigen Jahren aufwändig saniert werden, wirkt das Haus in der Osloer Straße 2-4 wie ein Relikt aus den alten, unrühmlichen Zeiten der Hochhaussiedlung. Mieterinnen und Mieter beklagen seit Jahren schlechte Zustände und mangelhafte Betreuung durch die Verwaltungsfirma. Am 20. März haben sie sich zu einem Gespräch mit der Landtagsabgeordneten Lena Teschlade (SPD) aus dem Wahlkreis Kölner Norden getroffen. Zum Termin hat die Landespolitikerin ihren Parteigenossen Pascal Pütz, Ratsmitglied und Mitglied im Liegenschaftsausschuss, mitgebracht.

Aus der Entfernung unterscheidet sich das Hochhaus Osloer Str. 2 und 4 kaum von den restlichen Wohngebäuden der Gegend. Mit 18 Stockwerken ist es auch nicht das höchste in Chorweiler. Aber schon der Eingang des Hauses 2 verrät erhebliche Probleme. Da der Haupteingang nicht barrierefrei ist, gibt es direkt nebenan einen stufenlosen Eingang, der durch einen Raum führt. Eigentlich ist er abschließbar, nur Menschen mit Behinderung haben den Schlüssel. Die Tür steht aber Tag und Nacht offen, berichten die BewohnerInnen. In einer Ecke steht Sperrmüll, an den grau gestrichenen Wänden blättert Farbe ab. Man sagt, hier würde auch von manchen ihre Notdurft verrichtet. Leichter Uringestank macht die Aussage glaubhaft.

Tag und Nachtansicht des Hauses Osloer Str. 2-4 (rechts im Bild)

Das Haus macht auch im Eingangsbereich einen bedrückenden Eindruck. Manche Abdeckplatten fehlen und eröffnen einen freien Blick auf das Röhrensystem. Die Wände vermissen offenbar schon lange einen Neuanstrich. Es ist ein Raum, in dem man sich nicht gerne aufhält.

Die BewohnerInnen des Hauses schielen neidisch auf die benachbarten Häuser. Als die GAG AG im Jahre 2016 knapp 1.200 Wohnungen von der NRW-Bank aus der Zwangsverwaltung übernommen hatte, fing sie an die Gebäude umfangreich zu sanieren. Die Zeit im Hause Osloer Str. 2-4 scheint hingegen stehen geblieben zu sein. Es ist gar nicht so einfach zu erfahren, wer denn der Eigentümer der Immobilie ist. Alles, was man aus den offen zugänglichen Quellen erfährt, ist der Name der Firma – UIW Lux West 2 SCS mit Sitz in Luxemburg, sie gehört wohl ins Portfolio der Union Investment Gruppe. Die UI ist die Fondsgesellschaft der DZ Bank und Teil der genossenschaftlichen FinanzGruppe. Nach einer Recherche sind wir schließlich bei der Presseabteilung des Verwalters der Firma ZBI Zentral Boden Immobilien Gruppe gelandet. Sobald man belastbare Informationen zum Sachstand / den behaupteten Mängeln habe, werde man sich bei uns melden, hat die Verwaltung uns mitgeteilt. Wir werden berichten.

Am 20. März war das Wetter in Chorweiler durchwachsen, die Stimmung der BewohnerInnen beim Gespräch mit Lena Teschlade dagegen heiter. “Alle Beschwerden werden ignoriert,” – sagt Mieterin Eleonora S.- “Man ruft eine Telefonnumer in Berlin an, beschwert sich. Danach passiert, in der Regel,  so gut, wie gar nichts.”

Die Menschen haben der Politikerin eine lange Liste aus 15 Punkten übergeben, die es in sich hat. Wasserschäden durch Rohrbrüche sind quasi an der Tagesordnung, mehrere Kellerräume seien aufgrund der Nässe nicht nutzbar. Erhöhte Feuchtigkeit in einigen Wohnungen zwingt die MieterInnen Luftentfeuchtungsgeräte rund um die Uhr zu betreiben. Folge der Feuchtigkeit ist Schimmel in mehreren Wohnungen. Bei Regen würden die Innenwände und Decken an den Fenstern feucht. Durch die verstopften Fallrohre würden einige Balkone unter Wasser stehen. Beide Aufzüge würden oft ausfallen, viele BewohnerInnen mit Behinderung sind dadurch sehr eingeschränkt. Ratten und Mäuse im Haus, Tauben auf den Balkonen machen vielen Menschen zu schaffen. Anfang März 2023 würde bei Minustemperaturen die komplette Heizung für vier Tage im Gebäude ausgefallen sein.

Mieterfotos

Dabei ist es nicht so, dass der Eigentümer sich gar nicht um seine Immobilie kümmert. Vor einigen Jahren wurden Fenster ausgetauscht, Videokameras installiert, neue Beleuchtung in den Gängen montiert. Das Problem ist, wie die BewohnerInnen berichten, aber dass die Reparaturen schleppend und oft nicht sachgemäß ausgeführt würden. Geht man durch die Gänge, sieht man fehlende Deckenelemente, Stromleitungen hängen herunter, an einer Stelle waren sie sogar ungesichert. Die Klingeln an mehreren Wohnungen haben keine Abdeckungen und sind somit lebensgefährlich.

Der Großteil der knapp 250 MieterInnen lebt wohl von Harz4 oder von Sozialhilfe. Ihre Miete überweist die zuständige Stelle pünktlich. Die wenigen Selbstzahler, die für ihre Wohnungen mitunter 1000 Euro und mehr zahlen, versuchen sich zu wehren, schalten den Mieterverein ein, prozessieren vor Gerichten, reduzieren die Miete. Diejenigen, die etwas Glück haben, finden eine neue Wohnung und ziehen aus. Resignation macht sich breit.

Die SPD verfolgt diese Situation schon seit einigen Jahren. Der OB-Kandidat und ehemalige Landtagsabgeordnete Kossiski (SPD) machte während seiner Wahlkampagne 2020 eine Tour mit dem Oppositionsführer im NRW-Landtag Thomas Kutschaty durch Chorweiler. Eine der Stationen war das Haus in der Osloer Straße 2-4.

Seine Nachfolgerin im Landtag Lena Teschlade, hat in ihrem Wahlkampf Bundesbauministerin Klara Geywitz (SPD) nach Chorweiler eingeladen, damit sie sich selbst ein Bild von der Situation machen konnte. Klara Geywitz hat daraufhin Landesbauministerin Ina Scharrenbach (CDU) kontaktiert. Teschlade schrieb im November 2022 Ministerin Scharrenbach an, sie an die katastrophalen Zustände erinnert und gebeten, hier aktiv zu werden.

Mieterfotos

Wie kann die Politik die Menschen in solchen Situationen effektiv unterstützen? Teschlade antwortete auf diese Frage: “Es gibt den Grundsatz „Eigentum verpflichtet“, dazu gibt es Gesetze, die man einhalten muss. Der Eigentümer kann die Häuser nicht in diesem Zustand lassen. Da muss man durchgreifen, auch politisch.“ Sie fährt fort: „Es gibt auf der Bundes- und Landesebene Förderprogramme, zum Beispiel für energetische Sanierung. Man kann dem Eigentümer diese Möglichkeiten erklären. Auf der anderen Seite gibt es die Wohnaufsichtsbehörde in Köln, die man einbeziehen kann, um die Wohnsituation in dem Hochhaus prüfen zu lassen.“ Teschlade ist viel in ihrem Wahlbezirk unterwegs und ist der Meinung, dass diese zwei Häuser in extrem schlechten Zustand sind: “Hier muss man ganz klar davon ausgehen, dass es nur darum geht, die monatliche Miete zu kassieren und kein Interesse daran besteht das Haus in Schuss zu halten.“

Alexander Litzenberger

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