Pfadfinder in Heimersdorf: „Ich habe erstmal reingeschnuppert und fand es von Anfang an extrem cool!“

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Viele Eltern der Pfadfindern helfen gerne bei der Markuskirmes mit. (v.l.n.r.) Silke Vaas, Sabine Szyroki, Monika König bei einem Stand auf der Markuskirmes. "Pfadfinder sind die natürliche Umgebung für unsere Kinder!".

Am 8. August feierten die Pfadfinder des Stammes St. Markus auf dem Taborplatz in Heimersdorf ihre traditionelle Markuskirmes. Der Stamm, der bereits 1971 gegründet wurde, zählt heute ca. 60 Kinder und Jugendliche und ist im Veedel tief verwurzelt. Mehrere Eltern, Freunde und Gäste der Pfadfinder wohnten der Feierlichkeit bei strahlendem Wetter bei.

Laut Wikipedia ist ein Pfadfinder „… ein Angehöriger einer internationalen, religiös und politisch unabhängigen Erziehungsbewegung für Kinder und Jugendliche, die Menschen aller Nationalitäten und Glaubensrichtungen offensteht. Ziel der Pfadfinderbewegung ist die Förderung der Entwicklung junger Menschen, damit diese in der Gesellschaft Verantwortung übernehmen können.“ Die Bewegung zählt allein in Deutschland einige Hunderttausende Mitglieder. Eines von ihnen ist Judith Gittel (21) – Leiterin der Jungpfadfinder des Stammes St. Markus. Sie ist im Corona-Jahr 2020 in diese Position gekommen: „Es war schon etwas komisch, weil wir uns mit den Kindern erstmal online treffen mussten“. Sie selbst ist seit gut 13 Jahren bei den Heimersdorfer Pfadfindern. Damals hat ihre beste Freundin sie für den Stamm begeistert: „Ich habe erstmal reingeschnuppert und fand es von Anfang an extrem cool!“. Wie in fast jeder Vereinigung scheinen der persönliche Kontakt und bei Pfadfindern sehr oft das familiäre Umfeld, die wichtigsten Quellen für die neuen Mitglieder zu sein. Im Stamm St. Markus gibt es sehr viele Kinder und Jugendliche, deren Eltern selbst Pfadfinder waren und die Liebe und Loyalität zu der Bewegung an den Nachwuchs weiter gaben. Auch bei Gittel waren die Mutter und ihre beiden Onkels beim gleichen Stamm.

Judith Gittel - Leiterin der Jungpfadfinder des Stammes St. Markus.

Pfandfinder kann man schon mit sechs Jahren werden und bleibt bis zum 21. Geburtstag Truppkind. Danach kann man Leiter werden oder ohne Status bei dem Stamm weiterwirken. Auf die Frage „Was machen eigentlich Pfadfinder?“ antwortet Judith: „Entgegen den Film-Klischees verkaufen wir keine Kekse (lächelt). Wir treffen uns einmal die Woche, die Jüngsten spielen meistens Spiele oder basteln an den Spielständen für die Markuskirmes, die älteren organisieren Tombola oder beschäftigen sich mit der Planung und Ausführung des Festes. Es wird auch gesungen. Je älter man wird, desto mehr Verantwortung übernimmt man.“ Es werden mehrmals im Jahr Fahrten organisiert, abends sitzt man am Lagerfeuer, es werden Zelte aufgebaut. Man lernt dort unter anderem Feuer zu machen, zu schnitzen, übt mit dem Kompass und der Karte, lernt Essen zu kochen. Wie weit man dabei wegfährt, hängt vom Alter ab. Die Jüngsten bleiben in der Region, die Älteren fahren schon mal in die Niederlande, nach Schweden oder gar Portugal.

Lasse Merz, Hanna Trent, Johanna Schwieker, Anna-Marie Audrijalić, Leon Birck und noch drei weitere Mitglieder des Stammes fahren in diesem Jahr zum World Scout Jamboree 2023 nach Südkorea.
Spendenaufruf des Stammes St. Markus bezüglich des World Scout Jamboree in Südkorea.

In diesem Jahr fahren acht Mitglieder des Stammes St. Markus zum weltweiten Treffen der Pfadfinder World Scout Jamboree 2023 nach Südkorea. Das wird vom 1. bis 12. August stattfinden. Es werden dort etwa 30.000 bis 50.000 Teilnehmer aus circa 150 Ländern erwartet, allein aus Deutschland sollen 2.500 junge Menschen in das fernöstliche Land reisen.

Alle Pfadfinder tragen die sogenannte Kluft – eine Art Uniform, die zwar keine Pflicht ist, aber zur „Standardausrüstung“ gehört. Auf der Kluft werden Aufnäher und Sticker von Treffen oder Aktionslagern angebracht. Je älter das Mitglied ist, desto geringer wird der freie Platz an der Pfadfinderkluft. Auch die Aufnäher für Pfadfinderversprechen gehören auf das Kleidungsstück. Das Pfadfinderversprechen ist eine zentrale Methode der Pfadfinderbewegung, ist das Bekenntnis jedes Einzelnen zu den Idealen der Bewegung. „Die jüngeren versprechen zum Beispiel auf die Natur besser aufzupassen, – erzählt Judith Gittel,- die älteren reflektieren über sich selbst, wer bin ich, was will ich werden. Und dieses Versprechen gibt man vor dem Trupp oder dem ganzen Stamm.“

Wölfling Matteo Schäfer (7) mit seiner Mutter.

Die meisten Pfadfinderstämme sind in Deutschland um die beiden großen Kirchen organisiert. Der Stamm St. Markus gehört zu der katholischen Kirche. Um Pfadfinder zu werden, muss man aber nicht einer Kirche angehören. Die Pfadfinder sind heute für jede Kultur und Konfession offen. „Wir haben einige Leute bei uns, die keiner Religion angehören und heißen alle willkommen“ – sagt Judith. Sie freut sich auch, dass sich immer mehr Mädchen für die Pfadfinder begeistern lassen, obwohl es immer noch mehr Jungs als Mädchen gibt. Es wird aber kein Unterschied zwischen den Geschlechtern gemacht und jeder macht, was er kann. Einzig beim Zelten im Lager schlafen Mädchen und Jungen getrennt.

Die Pfadfinder aus Heimersdorf haben den Trend der Zeit erkannt und versuchen ihre Aktionen möglichst ökologisch verträglich zu gestalten. „Beim letzten großen Lager hatten wir vegetarisches Essen“,- erzählt Judith Gittel, – „Wenn wir Fleisch kaufen, dann achten wir darauf, dass es Bio ist oder aus der Region kommt. Zum Lager in den Niederlanden sind wir zum Beispiel mit dem Rad, ohne Auto gefahren. Und das Thema der Nachhaltigkeit versuchen wir immer wieder intern zu kommunizieren.“

Ilka Hurling und Simon Lekat machen aktuell den Vorsitz des Stammes St. Markus.

Der Stamm habe eine straffe Struktur. Die Mitglieder sind dem Alter entsprechend in Gruppen aufgeteilt: „Wölflinge“, „Juffis“, „Pfadis“, „Roverstufe“, „Leitungsrunde“, „Roverrunden“. Der Stamm wählt regelmäßig seinen Vorstand. Seit knapp einem Jahr amtieren Ilka Hurling und Simon Lekat als gleichgestellte Vorsitzende. Auf ihre persönliche Motivation angesprochen, sagt Hurling (25): „Ich bin als Kind den Pfadfindern beigetreten und habe alle Altersstufen durchlaufen. Je älter man wird, desto mehr merkt man, wie viel man als Erwachsene für die Kinder tun kann. Mir gefällt die Zusammenarbeit im Team, die Vielfalt der Charaktere der jungen Menschen und der Aufgaben.“ Und fügt hinzu: „Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um allen Stammesmenschen, Eltern, Freunden und Unterstützern unseres Stammes Danke zu sagen.“

Alexander Litzenberger

Zur Website der Pfadfinder in Heimersdorf.

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