Heimersdorfer Kock: „Photovoltaik ist eine Win-Win-Win-Situation!“

DSC_089-small
Print Friendly, PDF & Email

Wenn Karl-Heinz Kock über die Photovoltaik (PV) spricht, leuchten die Augen des rüstigen Rentners aus Heimersdorf.  Der ehemalige Ford-Manager betreibt seit 1996 eine PV-Anlage auf seinem Dach und versucht seit einigen Monaten das Thema im Kölner Norden breit anzusprechen. Ein Netzwerk, das er und seine engsten Mitstreiter in einer geschlossenen Gruppe bei www.nebenan.de aufgebaut hat, zählt mittlerweile knapp 30 Menschen. Diese haben entweder schon eine PV-Anlage oder machen sich darüber Gedanken.

Werbung

Einigen Schätzungen zu Folge sind ca. 10,8 Millionen private Ein- und Zweifamilienhäuser für Fotovoltaik geeignet. Ein enormes Potential in Zeiten der Energie-und Klimawende. Würde man die Sonne für die Haushalte arbeiten lassen, entstünde pro Jahr so viel Strom, wie durch zehn mittlere Kraftwerke. Damit kann man enorm viel CO2 einsparen.

Dieser Gedanke treibt Karl-Heinz Kock und seine Mitstreiter an: „Vor circa einem dreiviertel Jahr habe ich mich gefragt, was kann ich persönlich tun, um den CO2-Ausstoss zu minimieren?“ Er gründete die Initiative “Solar-Offensive Heimersdorf” auf der geschlossenen Nachbarschaftsplattform  www.nebenan.de, die nach eigenen Angaben zwei Ziele verfolgt:

  • Gegenseitige Hilfeleistung bei der Konzipierung einer eigenen PV-Anlage:
  • Möglichst viele Nachbarn zu motivieren, sich eine PV-Anlage anzuschaffen, um den eigenen CO2-Fussabdruck zu verkleinern.

Nach seiner Einschätzung sind auf höchstens 10% der geeigneten Dächer in Heimersdorf PV-Anlagen installiert. Zu wenig, wie er meint. Mittlerweile kristallisierte sich bei ihm nach vielen Gesprächen mit Mitbürgern die Überzeugung heraus: „Photovoltaik ist eine Win-Win-Win-Situation!“ Das erste W steht für die Einsparung des Stroms und der Kosten. Das zweite bedeutet die Einsparung von CO2, womit man dem Klimawandel entgegentritt. Und das dritte W ist in den letzten Monaten hinzugekommen: „Seit dem von Putin entfesselten Krieg gegen die Ukraine werden wir damit unabhängiger von den Importen aus Russland“.

In unseren Breitengraden erreichen die Photovoltaikanlagen ca. 65 bis 75% des Wirkungsgrades. Auch wenn sich die Sonne hinter einer dünnen Wolkenschicht versteckt, produzieren moderne Solarpaneele Strom.

Das Mitglied der Initiative, Wolfgang Langen, deckt mit einem ausgeklügelten System, bei dem die Elektrogeräte nur dann laufen, wenn die Sonne scheint, bis zu 77% des Strombedarfes seines Haushalts.

Roland Steege deckt seit 2010 mit seiner PV-Anlage den kompletten Strombedarf seines Haushaltes ab.

Roland Steege, auch einer der aktiven Mitglieder der Initiative, ist stolzer Besitzer einer PV-Anlage mit ca. 70 Quadratmeter Fläche mit bis zu 12 Kilowatt Peak (kWp). Der produzierte Strom reicht, dank des Stromspeichers, für 99% des Haushaltbedarfes. Mehr noch – mithilfe eines strombetriebenen Heizungsstabs in der Heizungsanlage bekommt er das Warmwasser und zum großen Teil die Heizung praktisch zum Nulltarif.

Die Anlagen sind wartungsarm. In den 26 Betriebsjahren hat sich die Investition von Karl-Heinz Kock schon längst ausgezahlt und es gab fast kaum Pannen. Nur ein Mal musste der Spannungswandler ausgetauscht werden. Im Durchschnitt amortisiert sich die Photovoltaik auf dem Dach nach 12 Jahren, zusätzlich mit einem E-Auto sogar deutlich schneller. Danach fließt der Strom völlig kostenlos.

Die Schlagzeilen im letzten Mai waren sehr optimistisch: „Im ersten Halbjahr 2022 haben die Erneuerbaren Energien rund 49 Prozent des Bruttoinlandstromverbrauchs gedeckt. Das zeigen vorläufige Berechnungen des Zentrums für Sonnenenergie- und Wasserstoff-Forschung Baden-Württemberg (ZSW) und des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW). Der Anteil der Erneuerbaren Energien am Stromverbrauch lag damit sechs Prozentpunkte höher als im ersten Halbjahr des vergangenen Jahres.“ (Link).

Allerdings wirken sich die Folgen des Ukrainekrieges und die stark angestiegene Nachfrage negativ auf den Ausbau der PV-Anlagen in Deutschland aus. Durch die zusammengebrochenen Lieferketten muss man bei Solarpaneelen mit sehr langen Lieferzeiten rechnen. Unsere Blitz-Umfrage im Bezirk Chorweiler hat gezeigt, dass die Installateure kaum noch Neukunden aufnehmen und man rechnet mit der Stabilisierung der Lage erst Anfang nächsten Jahres.

Photovoltaik, lohnt sich das auch für mich?
Symbolfoto. Image by Stefano Ferrario from Pixabay.

Eine Einschätzung und der Erfahrungsbericht von Dipl. Ing. Wolfgang Langen, Mitglied der Initiative “Solar-Offensive Heimersdorf”.
Aus dem Inhalt: “Aber lohnt sich eine PV-Anlage auf meinem Dach auch wirtschaftlich für mich?”, “Welche Dächer sind geeignet?”, “Was ändert sich an der Stromrechnung?”  …
Bitte hier klicken (PDF)

Kock und seinen Mitstreitern ist das Problem bekannt. Dennoch sind sie überzeugt, dass am Ausbau der regenerativen Energien kein Weg vorbeiführt. Sie haben bereits einen eigenen Flyer über die Vorteile der Photovoltaik in der Nachbarschaft verteilt, sind vor einem Bürgerverein aufgetreten und eine große Kölner Zeitung hat über sie berichtet. Zurzeit arbeite man an einem Flyer für Mieter und Wohnungseigentümer, sagt Kock. Man spiele auch mit dem Gedanken eine Website zu erstellen. Im Frühling diesen Jahres hat Kock einen Antrag auf Förderung bei der Bezirksvertretung (BV) gestellt. Dort bat er um finanzielle Hilfe für eine mobile Photovoltaik-Präsentation, wo man mit Solarpaneelen auf Märkten, Straßenfesten etc. sehr anschaulich mit LEDs und PCs und ähnlichem die Vorteile der Sonnenenergie präsentieren kann. Die Kosten hat Kock mit ca. 4,5 Tsd. Euro beziffert, von denen die Hälfte der Summe die Initiative in Form von Eigenarbeit und Sachwerten aufbringen würde. Der Antrag wurde allerdings im Mai durch die Bezirksvertretung abgelehnt. Kock meint, es läge womöglich ein Missverständnis vor – die Initiative sei rein privat, die Menschen engagieren sich unentgeltlich und verfolgen den ökologischen Aspekt für den Bezirk Chorweiler. Sie bekämen sonst keinerlei Förderung. Er möchte weiterhin im Dialog mit der BV bleiben.

Kontakt zu Karl-Heinz Kock: 

Alexander Litzenberger

Auch interessant
Adrian Roman: “Wenn man aber etwas ruhiger fährt, hat man das Gefühl des Schwebens über die Straße. Es ist einfach gemütlich, leise, direkt. “

E-Auto im Bezirk Chorweiler: “Es geht doch wirklich um das Klima.”

609 Mal gelesen

Kommentar schreiben

Die folgenden im Rahmen der DSGVO notwendigen Bedingungen müssen gelesen und akzeptiert werden:
Durch Abschicken des Formulares wird dein Name, E-Mail-Adresse und eingegebene Text in der Datenbank gespeichert. Für weitere Informationen wirf bitte einen Blick in die Datenschutzerklärung.