Treffen ukrainischer Flüchtlinge aus Köln mit Bundestagsabgeordneter Dröge

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Am 28. März fand ein Treffen von rund 30 ukrainischen Flüchtlingen aus Köln mit der Bundestagsabgeordneten Katharina Dröge (neben Britta Haßelmann Vorsitzende der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen) in der Kreisgeschäftsstelle der Partei Die Grünen am Ebertplatz statt. Organisiert wurde das Treffen vom ukrainischen Verein Roksolana e.V. aus Köln-Chorweiler. Der Verein Roksolana e.V. ist ein Kultur- und Integrationszentrum, das 2023 gegründet wurde und sich, nach eigenen Angaben, darauf konzentriert, ukrainischen Flüchtlingen bei ihrer Integration in die deutsche Gesellschaft zu helfen. Das Treffen dauerte ca. eine Stunde. Am Tisch wurde Kaffee und Tee mit ukrainischem Gebäck serviert.

Zu Beginn des Treffens bedankte sich die Vorsitzende des Vereins Iryna Bulenok für die deutsche Hilfe für die Ukraine und betonte dabei die besondere Rolle der Grünen. In einer kurzen Ansprache sicherte Dröge die Unterstützung ihrer Partei im Kampf der Ukraine gegen die russische Aggression und bei der Integration der Geflüchteten aus dem Land. Ferner unterstrich sie, dass die Debatte über die Lieferung des Waffensystems Taurus nicht beendet sei. Die Grünen würden sich weiter für die Freigabe des Marschflugkörpers an die Ukraine einsetzen. Daraufhin folgte eine etwa einstündige Fragerunde in Deutsch, Ukrainisch, Russisch und Englisch.

Die ukrainische Psychologin und Psychotherapeutin Natalia Mazan hat ihre Leidenschaft für ihren Beruf seit vielen Jahren gelebt. Mit einem Fernstudium in der Ukraine erwarb sie ihre Qualifikationen und betreute dann 15 Jahre lang Patienten in ihrer eigenen Praxis. Nun steht sie vor der Herausforderung, ihre Tätigkeit auch in Deutschland auszuüben.
“Ich liebe meinen Beruf,” sagt sie in fließendem Deutsch. Trotzdem sieht sie sich mit bürokratischen Hindernissen konfrontiert, insbesondere bei der Anerkennung ihres Abschlusses. Natalia hat bereits einen Antrag gestellt, aber sie befürchtet eine Ablehnung aufgrund ihres Fernstudiums. Doch sie gibt nicht auf.
Besonders angesichts der aktuellen Situation, in der viele Menschen aus der Ukraine aufgrund des Krieges Zuflucht in Deutschland suchen, sieht Natalia einen dringenden Bedarf an psychologischer Betreuung. “Die Traumatisierung im Krieg könnte langjährige Auswirkungen haben,” betont sie.
Natalia Mazan setzt sich weiterhin für die Anerkennung ihres Abschlusses ein und hofft darauf, ihren Beitrag zur Betreuung und Unterstützung derjenigen leisten zu können, die aus der Ukraine geflohen sind.

Es wurden wichtige Themen diskutiert, darunter die Unterstützung der Ukraine im Krieg, die Anerkennung ukrainischer akademischer Abschlüsse in Deutschland, der Unterricht der ukrainischen Sprache in Schulen für ukrainische Kinder und die Unterstützung ukrainischer Existenzgründer in Deutschland. Ein junger Gymnasiast sprach das Thema Sport an.

Nach Angaben des Vorstands haben etwa 80% der Mitglieder des Vereins Roksolana e.V. akademische Abschlüsse. Einige Teilnehmerinnen beklagten sich über die unzureichende Unterstützung der hochqualifizierten Ukrainerinnen und Ukrainer. Außer dem Programm „Job-Turbo“, bei dem die Vermittlung in den Arbeitsmarkt durch die Jobagentur ziemlich unspezifisch erfolge, gäbe es keine weiteren Hilfsmaßnahmen. Dabei wurde immer wieder das Problem mit der langwierigen und komplizierten Anerkennung der ukrainischen Abschlüsse angesprochen.

Der überwiegende Teil der ca. 1,5 Millionen ukrainischen Flüchtlinge in Deutschland sind Frauen mit Kindern. Ukrainische Schülerinnen und Schüler werden oft erst in die Integrationsklassen aufgenommen. Beim Treffen wurde das Problem angesprochen, dass bei einer möglichen Rückkehr die Schulzeit nicht anerkannt werden könnte, weil das Fach „Ukrainische Sprache“ fehlt. Daher lernen die Kinder oft parallel per Fernunterricht in der Ukraine die Sprache. Viele Eltern wünschen sich daher mehr ukrainische Lehrerinnen und Lehrer in den Integrationsklassen und die Einführung der ukrainischen Sprache. Allerdings taucht auch hier verstärkt die Problematik der Nichtanerkennung der Abschlüsse der ukrainischen Pädagoginnen und Pädagogen auf. Auch in der Frage der psychologischen Betreuung der Geflüchteten wünschen sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Treffs mehr Muttersprachler.

Inessa und Erkan Sanlar, ehemalige Geschäftsleute, haben sich in der Ukraine auf Import/Export-Geschäfte spezialisiert, unter anderem haben sie medizinische Ausrüstung aus Deutschland  importiert. Nun möchten sie auch hier eine Firma gründen. Ihr Fokus liegt auf dem Import von Implantaten aus der Türkei, für die sie bereits gute Kontakte haben und alle erforderlichen Zertifikate besitzen.

Allerdings fehlt ihnen noch das Know-how, um ein solches Unternehmen in Deutschland zu gründen. Deshalb suchen sie derzeit nach Beratung, um ihren Traum von einem eigenen Unternehmen und der Schaffung neuer Arbeitsplätze zu verwirklichen.

Katharina Dröge betonte, dass die Grünen sich für die Erleichterung der Anerkennung der ausländischen Berufe einsetzen. Die Berufsverbände sollten sich bei der Frage selbst organisieren und entscheiden können, welche Qualifikation sie anerkennen. Allerdings sei die Anerkennung der Abschlüsse weiterhin eine sehr komplizierte Angelegenheit in Deutschland: „Wir haben starke Gewerkschaften, die sagen, dass sie sehr darauf achten, dass die Berufe Berufe sind und das auf demselben Niveau passieren soll. Und die Berufe selbst sagen, wir haben Qualitätskriterien und wollen, dass sie eingehalten werden.“. Sie riet den Betroffenen dennoch sich um einen Arbeitsplatz zu kümmern, um dort zum einen die deutschen Sprachkenntnisse zu verbessern und zum anderen parallel sich um die Anerkennung ihres Berufsabschlusses zu kümmern.

Auch die aktuelle Situation des Vereins Roksolana e.V. ist zur Sprache gekommen. Man suche vergeblich nach einem eigenen Raum in Chorweiler. Da konnte allerdings der anwesende Fraktionsvorsitzende der Grünen in der Bezirksvertretung Chorweiler Wolfgang Kleinjans dem Verein keine große Hoffnung machen: „In Chorweiler ist es sehr schwer einen Raum zu finden. Das ist leider ein Dauerproblem.“

Zum Schluss gab es Applaus für Frau Dröge und ein Gruppenfoto.

Alexander Litzenberger

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